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”Es war einmal eine höchst lebendige Frau, die zweimal ein Studium begann, zweimal den Hochschulen entlief, aus Rebellion gegen ihre Herren Lehrer provisorisch Lehrerin wurde, während sie ihr erstes Buch schrieb, eine Menge Männergeschichten hatte, eine Menge Dummheiten beging – die sie bis heute nicht bereut – viermal heiratete, kein Kind wollte – was sie heute ein bißchen bereut –, weil sie Schreiben für wichtiger hielt, und die Kneipen und Luxusbars, Hinterhofwohnungen und die Villen der Prominenz kennenlernte; es war einmal eine Schriftstellerin, die zu früh und zu viel Erfolg hatte, manchmal hungerte und manchmal wahnsinnig viel Geld verdiente, einen Haufen Orden bekam und so ziemlich alle Literaturpreise, die hierzulande verliehen werden, an eine Große Sache glaubte und an einer Großen Sache zweifelte, sich nach fremden Ländern sehnte und nur die Nachbarschaft zu sehen bekam, Polen, Prag, Moskau – und allerdings das herrliche unvergeßliche Sibirien, Baikalsee und die Taiga, und die in jungen Jahren verhaftet wurde und eingesperrt werden sollte, und die zehn Jahre später am Tisch von Walter Ulbricht Abendbrot aß, mal ganz unten und mal ganz oben war, mit berühmten Malern und Literaten verkehrte und als Hilfsschlosser in der Brigade im Braunkohlenkombinat arbeitete – kurzum: es war einmal, und es war gut so, und auch das Schlimme und Dreckige war in seiner Art gut.”
1973, kurz vor ihrem frühen Tod, fasste Brigitte Reimann so ihr Leben zusammen. In ihrer Literatur spiegeln sich nicht nur die gängigen Themen einer typischen DDR-Biographie. Sie kann auch heute den Leser berühren, weil Brigitte Reimann von notwendiger innerer Emanzipation schreibt, ohne die alle äußere Emanzipation vergeblich bleibt. Ihr Lebenshunger ist zeitlos.
Gelegenheit, Brigitte Reimann wiederzuentdecken, haben die Sondershäuser bald. Die Rezitatorin Hedi Bialkowski hat eine Auswahl getroffe
Weitere Informationen zu Brigitte Reimann: Studentisches Projekt des Instituts für Germanistik und der ZEIK der Universität Potsdam
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